(Weibliches) Leben ist lebensgefährlich

Weibliches Leben wird (schul-)medizinisch begleitet. Es gibt viel zu kontrollieren, zu untersuchen und zu behandeln an so einem Frauenkörper. Läuft denn alles gut in der Pubertät, mit der Verhütung, in der Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder im Alter? Was ist (noch) normal, und was gehört denn bitte behandelt?

 

Die weiblichen Körperfunktionen, deren Störungen und therapeutischen Behandlungen sind bis in die Gegenwart Gegenstand einer systematischen Erforschung. An medizinischen Standards muss sich weibliche Gesundheit messen lassen, in jedem Lebensalter. Schon lange ist die Einzigartigkeit der einzelnen Frau auf der Strecke geblieben, gesund ist, was die Medizin vorschreibt.

Ganz selbstverständlich geben wir uns in die Hände von Fachfrauen und Fachmännern, begreifen unsere Biologie schnell als medizinisches Problem, das es zu kontrollieren und therapieren gilt. Der Umgang mit unserer Körperlichkeit ist auf der Strecke geblieben, wir hören nicht mehr in uns hinein, hören uns nicht mehr zu. Die eigene Verantwortung geben wir mit unseren Krankenkarten aus der Hand, legen sie auf die Tresen der gynäkologischen Praxen. Wissen wir noch, was gut für uns ist? Können wir noch sagen, was wir für uns wollen? Können wir noch spüren, was uns gut tut, und was nicht?

Längst sind aus Patientinnen Kundinnen geworden, gelockt und umworben unter dem Vorwand ärztlicher Fürsorge. Frauen sehen sich mit einer Flut an Informationen konfrontiert. IGel-Leistungen gibt es im Überfluss, das Versprechen nach der optimalen Gesundheitsvorsorge immer mit im Gepäck.

 

Es ist Zeit, den gesamtgesellschaftlichen Umgang mit der weiblichen Biologie kritisch zu betrachten. Und bei der Betrachtung von Gesundheit und Krankheit die Lebensrealität einer jeden einzelnen Frau in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Das Leben ist bunt, kreativ, ein Auf und Ab zwischen Werden und Vergehen. Leben ist ein lebenslanges Älterwerden, ein körperlicher und geistiger Wachstums- und Wandlungsprozess, vom Tag der Geburt bis ins hohe Alter.

Die eine Gesundheit, die eine Krankheit kann es nicht geben. Gesundheit ist immer subjektiv, ist intrapersonelles Erleben. Und so ist auch Krankheit immer ein individuelles Ereignis, geprägt durch das eigene, ganz persönliche Erleben.

Krankheit ist ein Bestandteil des Lebens, entstanden in und durch die Auseinandersetzung mit uns und unserer Umwelt, und bewirkt durch unterschiedlichste Faktoren.

Krankheit und Gesundheit stellen Fragen, an jeden einzelnen und sein Leben. Sie fordern Antworten, lassen Träume und Hoffnungen platzen, fordern heraus. Sind Chance und Aufbruch zugleich, Chance für und Aufbruch in ein anderes Leben.

Jeder Heilungsweg kann nur ein ganz persönlicher sein. Jede Patientin trägt das Wissen um die eigene Heilung in sich, andere können dabei immer nur Wegbegleiter sein.

Jeder Mensch ist einmalig, jede Frau ein einzigartiges Wesen, ganz wunderbar.

 

Die Frauen dieser Welt liegen mir am Herzen, ihre Gesundheit steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich möchte informieren, neutral und sachlich. Ich möchte kritisch sein an Punkten, an denen unkritisch mit der weiblichen Gesundheit umgegangen wird. Und ich möchte Frauen einladen, hinzuhören und Selbstverantwortung zu übernehmen.